„Alleine leben – schaffe ich das noch?“
Rotenburg a. d. Fulda, 2. März 2026 – Viele Bürgerinnen und Bürger beschäftigt die Frage, wie lange ein selbstständiges Leben in den eigenen vier Wänden möglich ist und wann Unterstützung notwendig wird. Unter dem Titel „Alleine leben – schaffe ich das noch?“ lud das Kreiskrankenhaus Rotenburg a. d. Fulda am gestrigen Abend zu einer Informationsveranstaltung für Interessierte ein. Zahlreiche Besucher nutzten die Gelegenheit, sich fundiert über Betreuungs- und Pflegeformen sowie Alternativen zur Heimunterbringung zu informieren.
Referentin des Abends war Schwester Corinna Kurz, Case Managerin (DGCC) am Kreiskrankenhaus. In ihrem Vortrag stellte sie klar, dass der Schritt in ein Pflegeheim nicht automatisch die erste oder einzige Lösung sein müsse. „Viele Menschen glauben, dass es nur zwei Möglichkeiten gibt: ganz allein bleiben oder ins Heim ziehen. Dazwischen existiert jedoch eine breite Palette an Unterstützungsangeboten“, erklärte Kurz. Im Mittelpunkt stand die realistische Einschätzung der eigenen Lebenssituation. Anhand praktischer Beispiele zeigte die Referentin auf, welche Fragen sich Betroffene stellen sollten: Wie sicher fühle ich mich im Alltag? Komme ich mit Einkaufen, Körperpflege und Medikamentenmanagement noch gut zurecht? Gibt es Angehörige oder Nachbarn, die unterstützen können?
„Entscheidend ist nicht das Alter, sondern die individuelle Lebenslage. Jeder Mensch hat andere Ressourcen und Bedürfnisse“, betonte Kurz. Ausführlich erläuterte sie die verschiedenen Betreuungs- und Pflegeformen – von ambulanter Unterstützung über Tagespflege bis hin zu betreuten Wohnformen. Auch technische Hilfsmittel wie Hausnotrufsysteme oder digitale Assistenzlösungen wurden angesprochen. „Moderne Hilfen können dazu beitragen, Selbstständigkeit länger zu erhalten und gleichzeitig Sicherheit zu geben – sowohl für Betroffene selbst als auch für ihre Angehörigen“, so die Case Managerin.
Besonderes Interesse galt den Alternativen zur klassischen Heimunterbringung. Dazu zählen unter anderem betreutes Wohnen, Wohngemeinschaften für Senioren oder kombinierte Modelle aus ambulanter Pflege und familiärer Unterstützung. „Es geht darum, ein passendes Netzwerk zu schaffen, das den Alltag entlastet, ohne die Selbstbestimmung aufzugeben“, sagte Kurz.
Im Anschluss an den Vortrag nutzten viele Teilnehmende die Möglichkeit zum persönlichen Austausch. In Einzelgesprächen schilderten sie ihre individuellen Lebenssituationen und erhielten erste Hinweise zu möglichen nächsten Schritten. „Ich erlebe oft, dass Menschen sehr erleichtert sind, wenn sie merken: Ich bin mit meinen Sorgen nicht allein – und es gibt mehr Optionen, als ich dachte“, fasste Kurz ihre Eindrücke zusammen.
Der Infoabend machte deutlich: Der Weg zwischen Alleinleben und Heimunterbringung ist vielfältig. Wer sich frühzeitig informiert, kann Entscheidungen bewusster und selbstbestimmter treffen. Die Veranstaltung bot nicht nur sachliche Informationen, sondern auch Mut, sich offen mit dem eigenen Unterstützungsbedarf auseinanderzusetzen.
Wer sich fragt, ob das Alleinleben noch gut gelingt, sollte das Thema nicht aufschieben. Eine ehrliche Bestandsaufnahme der eigenen Fähigkeiten und eine frühzeitige Beratung – etwa durch Case Management, Pflegestützpunkte oder soziale Beratungsstellen – helfen, passende Lösungen zu finden. Informationsabende wie dieser zeigen: Unterstützung bedeutet nicht automatisch Verlust von Freiheit, sondern kann ein Schritt zu mehr Sicherheit und Lebensqualität sein.
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