Klinik in Rotenburg wird Lehrkrankenhaus

von GudrunSchankweiler-Ziermann

Rotenburg.
Am Kreiskrankenhaus Rotenburg können ab Mai Medizinstudenten das Praktische Jahr (PJ) absolvieren: Seit Beginn des Jahres ist die Diakonieklinik akademisches Lehrkrankenhaus der Marburger Universität.

Die angehenden Mediziner können in der Fuldastadt nach ihrem zweiten Staatsexamen sowohl die Pflichtbereiche Chirurgie und Innere Medizin sowie die Anästhesie abdecken. Damit ist neben dem Klinikum Bad Hersfeld, das akademisches Lehrkrankenhaus der Gießener Uni ist, ein zweites Haus im Kreis für geeignet befunden worden, die Ausbildung von Ärzten im Praktischen Jahr zu übernehmen.

Initiiert haben das Ganze die drei Chefärzte Dr. Martin Oechsner (Chirurgie), Dr. Daniel Gleichmann (Innere Medizin) und Anästhesist Dr. Reiner Sitzler. Man sei sehr stolz, erklärt Oechsner, der Ärztliche Direktor des KKH. Der Draht zur Uni, der akademische Gedanke würden gepflegt. Täglich werde es Lehrvisiten, wöchentlich Vorträge für die Studenten geben, etwa Nahtkurse im Bereich Chirurgie. Man sei mit der Online-Bibliothek der Universität verbunden und stelle auch einen Studierraum zur Verfügung.

Die ersten sechs Studenten werden im Mai erwartet. Ansprechpartner für das Dekanat der Philipps-Universität Marburg ist Sitzler.

Am Hause hofft man auch, mit der Ausbildung künftige Assistenzärzte gewinnen zu können. Auch die Universität profitiert von der Zusammenarbeit durch die fachliche und wissenschaftliche Verbindung und die Möglichkeit zu Studien am KKH.

Auch bisher gab es immer wieder Kooperationen mit Marburg und Heidelberg. Die meisten akademischen Lehrkrankenhäuser seien größer, sagte Geschäftsführer Reiner Schickling. Die Studenten bekommen im Schwesternwohnheim Zimmer, die zurzeit noch renoviert werden.

HINTERGRUND
So läuft dieArzt-Ausbildung

Studierende der Medizin lernen in der Regel sechseinhalb Jahre. Nach vier Semestern beenden sie den vorklinischen Teil mit dem Physikum, es folgen drei Jahre in den klinischen Fächern und vier Monate praktische Ausbildung im Krankenhaus (Famulaturen). Der klinische Abschnitt wird mit einer schriftlichen Prüfung abgeschlossen. Im letzten Studienjahr schließt sich das Praktische Jahr, kurz PJ, an. Nach einer mündlich-praktischen Prüfung erhalten sie die staatliche Zulassung zum Arzt/Ärztin (Approbation). Weitere drei bis fünf Jahre dauert die Weiterbildung zum Chirurgen, Internisten, Allgemeinmediziner, Kinder- oder HNO-Arzt und in vielen weiteren Fachrichtungen.

Studenten gern gesehen

Ein Krankenhaus, das sich der Ausbildung von angehenden Ärzten widmen will, muss zunächst die Universität überzeugen. Das Kreiskrankenhaus in Rotenburg hat die Marburger Uni überzeugt, dass es in der Lage ist, den ärztlichen Nachwuchs auf dem gewünschten Niveau zu qualifizieren. Die Ambitionen werden von der Uni anerkannt. Es wird festgestellt, dass das Haus eine hochwertige medizinische Versorgung der Patienten bietet und sich auf dem aktuellen Stand befindet.

Zu Recht ist man stolz, zum Kreis der akademischen Lehrkrankenhäuser zu gehören, denn das ist für ein kleineres Haus nicht selbstverständlich. Es zeigt, an welchem Standard man sich orientiert.Alle gewinnen dabei. Das „Akademische Lehrkrankenhaus“ stärkt das Renommee und zieht den dringend benötigten Nachwuchs in die Region. Die Universitäten ihrerseits benötigen Lehrkrankenhäuser, wie es auch das Hersfelder Klinikum ist, für die Ausbildung der Studenten. Kleinere Häuser haben den Vorteil, dass sie überschaubarer sind als die riesigen Uni-Kliniken. Die Studenten sind hier hoch willkommen.

Quelle: HNA