Gütesiegel „Westdeutsches Darm-Centrum“ für das Kreiskrankenhaus Rotenburg

Vor Ort in besten Händen

Gudrun Schankweiler-Ziermann - Rotenburg. Das Kreiskrankenhaus (KKH) Rotenburg ist mit dem begehrten Gütesiegel des Westdeutschen Darm-Centrums (WDC) ausgezeichnet worden. Das heißt für die Patienten, dass sich das Haus dem Vergleich mit über 100 weiteren auf Darmkrebs spezialisierten Kliniken stellt. Es hat im Vergleich sogar besonders gut abgeschnitten.

Das Gütesiegel bedeutet, dass Patienten sich auf eine nachgewiesene Qualität der medizinischen Versorgung, Diagnostik, Therapie und Nachsorge verlassen können.

Dr. Mike Meyer betonte bei Übergabe des Gütesiegels die hervorragende Arbeit im Haus. So seien innerhalb von zwei Jahren 100 Prozent der Darmspiegelungen vollständig gewesen, das heißt, der komplette Darm wurde untersucht. In 105 anderen Darmzentren zählte man im Durchschnitt nur 86 Prozent vollständige Endoskopien, wobei die Untersuchung in einigen Fällen wegen Verwachsungen schwierig ist.

Der hervorragende Wert gelte ebenso für die Operationen. In Rotenburg musste im untersuchten Zeitraum kein einziger Darmkrebs-Patient nachoperiert werden, was im Durchschnitt der anderen Krankenhäuser in gut fünf Prozent der Fälle notwendig war. „Hier kein Fall: Das ist klasse“, lobte Dr. Mike Meyer, Projektmanager und Vertreter des Westdeutschen Darm-Centrums.Über die Auszeichnung freuten sich die beiden Chefärzte, Dr. Daniel Gleichmann (Innere Medizin), und Dr. Martin Oechsner (Chirurgie). Mit Beginn von Oechsners Tätigkeit in Rotenburg hatte er schon angekündigt, das Gütesiegel als Westdeutsches Darm-Centrum anstreben zu wollen.

Der WDC-Vertreter betonte, nicht nur Uni-Kliniken böten eine hervorragende Versorgung. In Rotenburg seien die Patienten in besten Händen. Jedes halbe Jahr lasse sich das KKH nun erneut in die Karten schauen, sagte Meyer. Das sei für das Haus auch mit Kosten verbunden. 30 000 Euro hat allein der Weg bis zum Gütesiegel gekostet, erklärte KKH-Geschäftsführer Reiner Schickling auf Nachfrage. Die nächsten Darmzentren befinden sich in Kassel, Lich und Wetzlar. Mit diesen befinde man sich auf Augenhöhe, hieß es bei Übergabe des Gütesiegels. Mit 30 bis 50 Darmkrebs-Operationen gehört das Kreiskrankenhaus zu den mittelgroßen Darmkrebs-Zentren. Die Leistungen entsprechen nach den Worten Meyers dem eines größeren Hauses.Oechsner wies auf die Bedeutung der Vorsorge und die enge Zusammenarbeit mit seinem Kollegen Gleichmann hin. Wichtig seien das frühzeitige Erkennen von Darmkrebs mithilfe einer Darmspiegelung und die Operation im frühen Stadium.

Schnelle Diagnose, beste Behandlung und Nachsorge bei Darmkrebs

Das Westdeutsche Darm-Centrum (WDC) befasst sich mit der Qualitätssicherung der medizinischen Versorgung bei Darmkrebs, das Westdeutsche Brust-Centrum entsprechend mit Brustkrebs.

Beide sind Töchter des Deutschen Onkologie-Centrums (DOC), bei dem es sich um eine von Ärzten gegründete Ausgliederung der Uni Düsseldorf handelt. Überprüft werden beim WDC Diagnose, Behandlung und Nachsorge bei Darmkrebs.

Dabei stellt sich das Rotenburger Kreiskrankenhaus dem Vergleich mit 105 Darmzentren im deuschsprachigen Raum, was als andauernder Prozess angelegt ist (Benchmarking). 50 Prozent aller Brustkrebsfälle in Deutschland und 15 Prozent der Darmkrebsfälle werden vom DOC verfolgt. Darmkrebs gehört zu den häufigsten Krebsfällen nach Brust-, Prostata- und Lungenkrebs.

Regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen sind die einzige Möglichkeit, Darmkrebs im Frühstadium zu erkennen. Darmkrebs entsteht in der Regel aus Polypen.Die zunächst gutartigen Wucherungen der Darmschleimhaut können zu bösartigen Tumoren entarten. (ank)

Quelle: HNA