2014 keine einzige erworbene Infektion am Kreiskrankenhaus

Furcht vor dem MRSA-Erreger: Keime werden von außen in Krankenhäuser getragen – 2014 keine einzige erworbene Infektion am Kreiskrankenhaus

Rotenburg. Immer wieder sorgen sich Patienten und Angehörige wegen der sogenannte Multiresistenten Erreger (MRE), vor allem MRSA, gegen die Antibiotika nicht mehr so wirken, wie sie sollten.

Wir sprachen mit dem Krankenhaushygieniker Dr. Reiner Sitzler, der Krankenschwester und Hygienefachkraft Bärbel Marth und dem Verwaltungsleiter des Kreiskrankenhauses (KKH) Rotenburg, Sassan Pur.

Viele Patienten fürchten, sich im Krankenhaus MRSA einzufangen. Was sagen Sie diesen Menschen?

MRSA-Infektionen gehen in fast allen Krankenhäusern zurück. Am KKH in Rotenburg gab es im vergangenen Jahr keine einzige im Haus erworbene MRSA-Infektion, im Jahr davor war es ein Fall, berichtet Sitzler. Allerdings brachten elf Patienten eine MRSA-Infektion von draußen mit ins Krankenhaus.

Man unterscheidet diejenigen, die nur Träger eines MRSA-Keimes sind, und erkrankte mit einer MRSA-Infektion.

Es kommen von zu Hause, aus Pflegeheimen oder aus dem Urlaub immer wieder Menschen, bei denen ein Abstrich in der Nase zeigt, dass sie die Keime in sich tragen. Unter den insgesamt 7200 Patienten 2014 wurden am KKH etwa 40 Prozent getestet, bei 106 Patienten wurde MRSA in der Nase nachgewiesen.

Wie werden die MRSA-Träger gefunden?

Das Robert-Koch-Institut und das Bundesgesundheitsministerium geben vor, welche Risikogruppen einem Screening unterzogen werden müssen. Dazu gehören alle, die schon einmal den Keim hatten, diejenigen, die im vergangenen Jahr länger als drei Tage im Krankenhaus waren, Menschen, die mit Massentierhaltung zu tun haben, Pflegebedürftige und andere. Bei ihnen wird ein Nasen- und Rachenabstrich genommen.

Wenn MRSA-Keime gefunden werden, wie geht es dann weiter?

Wenn Keime nachgewiesen werden – das dauert 18 bis 24 Stunden – werden die Patienten isoliert. Mit antiseptischen Waschungen werden die Keime bekämpft. Das Problem ist aber, dass diese Sanierung etwa zwei Wochen dauert, die Patienten aber selten so lange im Krankenhaus bleiben. Daher kann die Sanierung oft nicht abgeschlossen werden. Meist handelt es sich um alte, teils demente Menschen. Die Sanierung müsste fortgeführt werden, was die Krankenkassen auch übernehmen. Das Material einschließlich Desinfektion – Kosten etwa 100 Euro – müssen die Patienten selbst bezahlen, sagt Bärbel Marth. Das werde häufig aber nicht gemacht.

Die Isolation von MRSA-Trägern, vermummte Pflegekräfte und Angehörige vermitteln den Eindruck von Gefahr. Ist der Keim wirklich so gefährlich?

Viele Menschen meinen bei diesem Anblick, sie könnten sich etwas holen. Dabei machen wir das ja, damit sich der mitgebrachte Keim im Krankenhaus nicht ausbreiten kann. Diejenigen, die isoliert sind, sind gerade keine Gefahr mehr für frisch operierte oder andere Personen mit einem schwachen Immunsystem.

Was wird den anderen Patienten und den Besuchern empfohlen, die sich vor den Keimen schützen wollen?

Die isolierten Patienten und auch solche MRSA-Träger, die nach Hause entlassen werden, sind keine Gefahr für gesunde Personen, wenn diese sich gründlich mit Seife die Hände waschen und möglichst noch desinfizieren. Bei Angehörigenbesuchen im Isolierzimmer ist das Desinfizieren auch vorgeschrieben.

Können MRSA-Träger, die wieder zu Hause sind, gesunde Menschen anstecken?

Wenn man dem MRSA-Träger nicht gerade um den Hals fällt und dazu noch etwas Abstand hält, passiert in der Regel nichts. Die MRSA-Träger werden im Krankenhaus ja nur deshalb isoliert, weil die Keime geschwächten Menschen gefährlich werden können. Ein gesunder Mensch, der sich MRSA-Keime einfängt, kann schon drei Tage später wieder frei von den Keimen sein. 

Man spricht aber doch immer von „Krankenhauskeimen“.

Das ist irreführend, da die Keime von außen ins Krankenhaus hereingebracht werden. Das zeigen ja auch die Zahlen, nach denen wir 2014 keine einzige hier erworbene MRSA-Infektion hatten. Elf Personen kamen mit einer MRSA-Infektion zur Behandlung ins KKH. Sie werden aber erst entlassen, wenn die Keime nicht mehr nachgewiesen werden können.

Woran liegt es, dass die Zahl der erworbenen MRSA-Infektionen auf Null gesunken ist und auch die Zahl der mitgebrachten Infektionen nach unten geht?

Das liegt unter anderem an der Altersstruktur der Patienten, aber auch daran, dass sich das Management, was MRSA betrifft, in den Krankenhäusern allgemein verbessert hat.

Dann ist MRSA gar nicht mehr so problematisch wie man dachte?

Bei MRSA-Infektionen müsse man einfach gut aufpassen, und es gebe noch wirksame Antibiotika zur Therapie, sagt Sitzler. Viel problematischer seien die sogenannten MRGNs (Multiresistente gramnegative Darmbakterien), wie sie etwa in Kiel aufgetreten sind. Sie seien ein weltweites Problem und sehr verbreitet zum Beispiel in Griechenland, der Türkei oder auch in Indien. Bis zu 30 Prozent der Indienurlauber brächten die Darmbakterien mit nach Hause, gegen die es – im Falle einer Infektion – kaum ein wirksames Antibiotikum gebe. Auch Risikogruppen, die man besonders beobachten könnte, gibt es nicht. (ank)

 

Viele verschiedene Antibiotika

Mit Antibiotika können viele durch Bakterien ausgelöste Infektionen behandelt werden, wobei es viele verschiedene Antibiotika gibt. Manche Antibiotikagruppen sind zur Behandlung von Infekten mit bestimmten Erregern besser geeignet als andere. Es kann sein, dass bestimmte Infektionen nur mit einer Sorte von Antibiotikum behandelt werden können

MRSA ist die Abkürzung für Methicillin resistenter Staphylococcus aureus. Dieses Bakterium ist eine Variante des Staphylococcus aureus. Etwa 30 Prozent der Bevölkerung tragen diese Bakterien in der Nase und auf der Haut. Gesunde Menschen werden davon nicht krank. Bei Menschen mit einem schwachen Immunsystem jedoch kann MRSA Infektionen wie eine Blutvergiftung oder Lungenentzündung verursachen. Einige Staphylococcus aureus sind jedoch unempfindlich (resistent) gegen das Antibiotikum namens Methicillin und auch gegen andere Antibiotika.

Als Problem der Zukunft werden weniger MRSA als vielmehr die sogenannten MRGN (Multiresistente gramnegative Stäbchenbakterien) gesehen, deren Zahl weltweit zunimmt und gegen die zum Teil alle vier Antibiotika-Gruppen wirkungslos sind. www.mrsa-net.nl

Quelle: HNA