21.11.2016

Kreiskrankenhaus Rotenburg: Respekt, aber keine Angst



Rotenburg. Viel Bewegung brachte das laufende Jahr in die Kliniklandschaft des Kreises.
Erst fusionieren das Bad Hersfelder Klinikum und das Rotenburger HKZ, dann wird der neue Verbund Teil eines Uni-Klinik-Netzes. Einzige Konstante: Das Kreiskrankenhaus, ebenfalls in Rotenburg. Im Interview sprechen Geschäftsführer Ulrich Hornstein und der ärztliche Direktor Dr. Martin Oechsner über die neue Konkurrenzsituation und reagieren auf die Aussage des Uni-Klinik-Netz-Koordinators Prof. Dr. Dr. Friedrich Grimminger, ein nicht ausreichend vernetztes Krankenhaus betreibe „Tante-Emma-Medizin“.
Herr Hornstein, Herr Dr. Oechsner, „Tante-Emma-Laden“, trifft Sie das?
Dr. Martin Oechsner: Nein, gar nicht, aber ich finde die Äußerung von Prof. Grimminger durchaus interessant. Eigentlich ist es doch eher eine Auszeichnung.
Das müssen Sie erklären.
Oechsner: „Im übertragenen Sinne bedeutet doch ein Tante-Emma-Laden qualitativ hochwertiges Angebot nahe am Kunden mit Spezialitäten der Region. Die beste Ahle Wurst bekommen Sie dort und nicht beim Discounter. Vielleicht erleben wir auch im Gesundheitswesen derzeit eine Renaissance der Tante-Emma-Medizin. Kaviarmedizin, also ausschließlich Spezialitäten anzubieten, ist nicht Aufgabe eines Kreiskrankenhauses.
Nehmen Sie das neue Uni-Klinik-Netz, dessen Teil das HKZ ist, als Konkurrenz war?
Oechsner: „Wir sehen uns als verlässliche Alternative und Kooperationspartner. Mit unserem breiten Spektrum und Schwerpunkten in der Viszeralmedizin (Bauchmedizin), operativ und konservativ, ergänzen wir uns optimal mit dem Angebot des HKZ. Wir haben generell eine hoch leistungsfähige Klinik, die über alle Abteilungen hervorragend aufgestellt ist und dabei eine gute Atmosphäre und Kommunikation pflegt.
Heißt das, dass Sie auf die Entwicklungen am HKZ gar nicht reagieren müssen?
Oechsner: Ich hätte mir vor allem gewünscht, dass man Kontakt aufnimmt und überlegt, wo man kooperieren kann.
Ulrich Hornstein: Das Thema Pneumologie (Lungenerkrankungen) hat ja einen gewissen Charme hier im Kreis. Das HKZ hatte vor einigen Jahren vergeblich einen Versorgungsauftrag für Pneumologie als Ergänzung zur Kardiologie bei der Gesundheitskonferenz beantragt. Und jetzt stellt das Klinikum als Eigentümer des HKZ den Antrag erneut und plötzlich soll es medizinisch sinnvoll sein? Da bin ich mal gespannt, wie das jetzt bewertet wird. Außerdem gab es in der Vergangenheit eine Abstimmung zwischen dem Klinikum und dem KKH, dass wir die Pneumologie im Landkreis abbilden.
Was hätte das für Auswirkungen für das Kreiskrankenhaus?
Hornstein: Das würde sich zeigen. Wir haben hier Dr. Michulla, der eine gut etablierte pneumologische Abteilung führt, und dann werden wir sehen, was sich durchsetzt. Ob der Patient in ein Haus geht, wo er ein Name und keine Nummer ist, oder ob er in ein großes internationales Zentrum geht, wo er Gefahr läuft, eben nur eine Nummer zu sein. Angst davor haben wir nicht, Respekt natürlich schon. Unser Motto ist: Qualität setzt sich durch, da brauchen wir uns nicht zu verstecken.
Wie sah denn die Zusammenarbeit bislang aus?
Oechsner: Wir haben vor der Fusion hervorragend mit dem HKZ kooperiert und praktizieren dies derzeit in bester Kollegialität weiter. Dieses geschieht im Übrigen auch mit dem Klinikum Bad Hersfeld. Ich bin froh, dass wir im Landkreis eine gute medizinische Versorgung haben, in der wir uns als verlässlicher Partner etabliert haben. So sehen wir uns als frei-gemeinnützige Alternative und Kooperationspartner der Region.
Das klingt sehr selbstbewusst. Hatten Sie nie Angst, dass die Konkurrenzsituation dem Kreiskrankenhaus auch schaden könnte?
Oechsner: Doch natürlich. Aber dennoch wünsche ich dem HKZ, dass alles gut läuft. Und ich hoffe, dass wir im Kreis nicht nur als Ergänzung gesehen werden, sondern einen festen Stellenwert behalten.

Quelle: HNA